Implementierung der KlarSicht-Kofferversion in niedersächsische bzw. mecklenburg-vorpommersche Schulen

Ausgangssituation  

Der BZgA-MitmachParcours KlarSicht will über die Logo NLSWirkungen und Suchtpotenziale der legalen Suchtmittel Tabak und Alkohol informieren und eine kritische Haltung dazu fördern. Das interaktive Angebot will Jugendliche dabei unterstützen, die Risiken von Alkohol- und Zigarettenkonsum klarer zu sehen und gesundheitsbewusst zu handeln. Die BZgA hat eine „Kofferversion" entwickelt, die alle sechs Parcours-Stationen im handlichen Kleinformat enthält. Die niedersächsische Landesstelle für Suchtfragen wurde 2010 von der BZgA beauftragt, im Rahmen eines Pilotprojektes diese Koffervariante zu erproben und zu evaluieren, um bei positiven Ergebnissen die Koffervariante wesentlich mehr Schulen und Präventionsfachkräften zur Verfügung zu stellen.  

Diese positiven Ergebnisse liegen jetzt vor. Die Kofferversion des MitmachParcours' zeigte sich in vielen zentralen Bereichen als wirksames und effizientes Präventionsinstrument. Die Ergebnisse der Evaluation liegen über die gesamte Themenbreite hinweg im guten und sehr guten Bereich. Insgesamt hat sich der Einsatz von Lehrkräften und Peers als ausgesprochen förderlich für die Präventionsmaßnahmen gezeigt.  

Ein möglichst breiter Einsatz des Koffers in den Schulen ist also im Sinne der Suchtprävention sinnvoll und wünschenswert. In Niedersachsen wurde dies in der Erprobungsphase unter Projektbedingungen herausgearbeitet.  

Es bleiben jetzt folgende Fragen zu klären:  

  • Was sind gute Kommunikationswege in die Schulen hinein?
  • Wie können im Vorfeld Schulen informiert und interessiert werden?
  • Wie kann eine dauerhafte Implementierung in Schulen gelingen?
  • Sind immer externe Fachkräfte (Präventionsfachkräfte) unbedingte Voraussetzung für die Implementierung?
  • Wer kann externe Begleitung leisten?
  • Kann die Implementierung auch erfolgen, wenn die suchtpräventive Infrastruktur in einem Bundesland nicht sehr ausgeprägt ist?
  • Über welche Institutionen kann die Implementierung dann erfolgen?
  • Was sind die Mindestvoraussetzungen, die gegeben sein müssen, damit eine sinnvolle und nachhaltige Implementierung erreicht werden kann?
  • Wann kann eine Schule einen Koffer erwerben, nur in Verbindung mit einer Schulung?

Zur Beantwortung dieser Fragen führen die Länder Niedersachsen (NLS) und Mecklenburg-Vorpommern (LAKOST) ein weiteres Pilotprojekt durch. In diesem wird die Implementierung des Koffers in die Schullandschaft beider Länder erprobt.  

Projektziele:  

Das Hauptziel des Projektes Implementierung des KlarSicht-Koffers in die Schullandschaft ist die Erprobung unterschiedlicher Wege und Möglichkeiten, wie Schulen nachhaltig zur Suchtprävention mit dem KlarSicht-Koffer arbeiten können.  

Dazu sollen ...  

  • gute Kommunikationswege in die Schulen hinein erprobt werden. Hierzu sollen zum einen Kommunikationsmöglichkeiten auf Landesebene mit den jeweiligen Kultusbehörden und den Fortbildungsinstituten der Länder ausgelotet werden. Sowohl landesweit wie auch regional sollen Möglichkeiten gefunden werden, Schulen im Vorfeld über das Projekt zu informieren und zu interessieren.
  • Gelingensbedingungen für eine dauerhafte Implementierung herausgearbeitet werden
  • notwendige und hinreichende Voraussetzungen für eine Implementierung erarbeitet werden, wie die Punkte - externe Begleitung, - Einbeziehung welcher Institutionen, - Voraussetzungen bei schwacher oder stärkerer suchtpräventiver Infrastruktur - Mindestvoraussetzungen für nachhaltige Implementation
  • Empfehlungen für die Vergabe des Koffers an die Schulen (etwa nur in Verbindung mit Schulung) gegeben werden.

Umsetzung:  

Die Umsetzung erfolgt über eine Kaskade verschiedener Schulungen. Nachdem im Vorfeld in Gesprächen mit den Kultusministerien und Fortbildungsinstituten der Länder vor allem Wege der landesweiten Bewerbung und Platzierung des Projektes erarbeitet wurden, werden in einem ersten Schritt Fachkräfte zu Implementierungstrainer/-innen ausgebildet, die zum einen die Aufgabe haben, weitere Trainer/innen auszubilden, aber vor allem auch die Implementierungserfordernisse im Blick haben und umsetzen.  

Im zweiten Schritt bilden diese Implementierungstrainer/-innen verschiedene Personengruppen zu Trainern für die Arbeit mit dem KlarSicht-Koffer aus (Schulsozialarbeiter/innen, Lehrkräfte und externe Fachkräfte) und sind aber auch nach den Schulungen im laufenden Jahr ansprechbar für Fragen der Implementierung und bieten den beteiligten Schulen dazu ihre Unterstützung an.  

Nach der Schulung sollen alle geschulten Personen in ihren Schulen den Koffer-Parcours durchführen und vor allem auch den Koffer als Präventionsinstrument in die Schule implementieren. Diese Kofferdurchführungen werden dokumentiert, alle Dokumentationen werden dann ausgewertet und fließen in einen Bericht.  

Konzeptbausteine  

Baustein I  

Die NLS und die BzgA bilden gemeinsam 4 ausgewählte Präventionsfachkräfte, die sich im Pilotprojekt 2010 besonders bewährt haben, zu Implementierungstrainer/-innen fort. Diese bilden daraufhin Implementierungstrainer/-innen für Mecklenburg-Vorpommern aus.Über die bisherigen Kenntnisse (im Pilotprojekt Niedersachsen gewonnen) hinaus (mit dem Koffer in Schulen arbeiten, unterschiedliche Moderator/-innengruppen fortbilden (Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter/innen und Peers) sollen diese Fachkräfte die Lehrkräfte/Schulen insbesondere dabei beraten,  

  • wie Schulen für die Arbeit mit dem Koffer zu interessieren und motivieren sind,
  • an welchen schulischen Strukturen ein Andocken zur Implementation möglich ist,
  • wie sie den Parcours sinnvoll in Schulen umsetzen (welcher Raum, Gestaltung der Räume, Einsatz von zusätzlichen Materialien),
  • wie sie welche Moderator/-innen gewinnen
  • wie der Koffer als fester Präventionsbestandteil in der Schule implementiert werden kann (als fester Bestandteil des Präventionskonzeptes, jährlich regelmäßig mit dem 7. Jahrgang ...)

Baustein II  

Fortbildung von Schulsozialarbeiter/-innen zur Implementierung des Koffers (2 - 4 regionale Fortbildungen - Zusammenarbeit mit Kultusministerium und Lehrkräftefortbildungsinstitution des Landes). Die Schulsozialarbeiter/-innen sollen in der Lage sein, andere Lehrkräfte als ModeratorInnen fortzubilden und die Durchführung des Parcours in der Schule zu organisieren. Im Gymnasium und ev. auch in Realschulen/Oberschulen/Regionalschulen können auch Peers als Moderator/innen geschult werden Nach der Fortbildung werden die geschulten Personen weiter begleitet. Sie sollen innerhalb des Schuljahres den Parcours 2 - 4 Mal durchführen. Dazu wird ein Dokumentationsbogen entwickelt, mit dem jede Durchführung dokumentier wird. Der Dokumentationsbogen wird an die NLS geschickt.  

Baustein III  

Es gibt 40 interessierte Lehrkräfte von der Tagung „Jugendliche und Alkohol" März 2011, bei der der Parcours in der Kofferversion ausführlich vorgestellt wurde. Diesen Lehrkräften wird ein Schulungsangebot gemacht (Zusammenarbeit mit Kultusministerium und NLQ). In MVP kann sich das Schulungsangebot an Lehrkräfte aus Schulen richten, mit denen in anderen suchtpräventiven Zusammenhängen bereits gearbeitet wurde.  

Die Lehrkräfte sollen in der Lage sein, andere Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter/-innen als Moderator/-nnen fortzubilden und die Durchführung des Parcours in der Schule zu organisieren. Im Gymnasium und ev. auch in Realschulen/Oberschulen/Regionalschulen können auch Peers als Moderator/innen geschult werden.  

Die Lehrkräfte werden bei der Implementierung begleitet. Sie sollen innerhalb des Schuljahres den Parcours 2 - 4 Mal durchführen. Dazu wird ein Dokumentationsbogen entwickelt, mit dem jede Durchführung dokumentier wird. Der Dokumentationsbogen wird an die NLS geschickt  

Baustein IV  

Ausstattung aller PFK in Niedersachsen mit dem KlarSichtKoffer; Schulung der noch nicht geschulten PFK. Die Fachkräfte sollen in der Lage sein, andere Lehrkräfte/Schulsozialarbeiter/innen oder Peers als Moderator/-innen fortzubilden und die Durchführung des Parcours in der Schule zu organisieren. Jede Fachkraft soll im folgenden Schuljahr 5 KlarSichtKoffer-Implementationen durchführen. . Dazu wird ein Dokumentationsbogen entwickelt, mit dem jede Durchführung dokumentier wird. Der Dokumentationsbogen wird an die NLS geschickt.  

Dokumentation  

Alle geschulten Kräfte sollen nach der Schulung mit dem Koffer arbeiten. Jeder Einsatz wird dokumentiert.Dabei geht es nicht um eine Dokumentation der suchtpräventiven Ergebnisse. Dies wurde hinreichend belegt.Es geht um die Beantwortung folgender Fragen:  

  • Mit welchem Jahrgang, mit welcher Klassengröße wurde der Parcours durchgeführt?
  • Welche Parcoursversion (Wer waren die Moderator/innen: PFK, Lehrkräfte, Schulsozialarbeiter/innen, Peers)
  • Wie hat die Durchführung geklappt?
  • Konnten die Moderator/-innen gut gefunden werden?
  • Gelang die Organisation der Umsetzung (Raum, Ausstattung, Bereitstellung von Zeitfenstern für die Durchführung)
  • Gelingt eine dauerhafte Implementierung, was wurde dafür getan?
  • Wer waren „externe Unterstützer?" Wie wird die Unterstützung bewertet? Welche Kommuniaktionswege nutzen die Unterstützer, um die Schulen/Lehrkräfte zu gewinnen?
  • Wie wichtig wird externe Unterstützung eingeschätzt?

Projektmanagement  

  • Das Projektmanagement liegt bei der NLS/LAKOST.
  • Die Fortbildungen sollen gemeinsam mit dem Kultusministerium und dem schulischen Fortbildungsinstituten der Länder geplant werden. Hierbei sollen insbesondere Kommunikationswege ausgelotet werden, auf welche Weise Schulen zu interessieren und zu motivieren sind. Hierbei geht es zum einen um die Motivation, überhaupt mit dem Koffer zu arbeiten, zum anderen um die Motivation, Schulen zur nachhaltigen Implementation des Koffers zu motivieren. Dazu müssen entsprechende Gespräche geführt werden.
  • Die organisatorische Planung der verschiedenen Schulungen liegt bei der NLS/LAKOST.
  • Die aus Schulen geschulten Kräfte (Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter/-innen) bekommen den Koffer.

Die NLS/LAKOST und die Implementierungstrainer/-innensind auch nach den Schulungen für die Fachkräfte ansprechbar. Sie unterstützen die Fachkräfte, helfen bei der Lösung von Problemen und sind „externe Begleiter".  

Die NLS/LAKOST entwickelt einen Dokumentationsbogen, den jede geschulte Fachkraft nach jedem Einsatz zur NLS/LAKOST schickt.  

Hier wird die Auswertung vorgenommen. Die Ergebnisse werden in einem Bericht festgehalten, der weitere Empfehlungen für die Implementation des Koffers in weitere Bundesländer gibt.  

Ansprechpartner für M-V:  

Rainer Siedelberg, Tel.: 0385/7851560 
siedelberg@lakost-mv.de 

Kontakt

Landeskoordinierungsstelle für
Suchtthemen MV
Lübecker Str. 24 a
19053 Schwerin

Tel.: +49(0)385 785 15 60
Fax: +49(0)385 758 94 90
Mail: info@lakost-mv.de

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