Kampagne „Medien-Familie-Verantwortung“ startet

Erste Aktion Plakate und Citycards 

Smartphones sind nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken.  Surfen, WhatsApp-Nachrichten, Chats, Facebook, Instagram, Fotografie und Navigation sowie eine Vielzahl unterschiedlicher Apps sind nur einige der zahlreichen Helfer, die - neben standardisierten Eigenschaften und Funktionen - in ein Smartphone weiterhin integriert und immer und überall genutzt werden können. Allein für Deutschland prognostiziert der Branchenverband Bitkom knapp 28 Millionen verkaufte Smartphones für das Jahr 2016.

Und trotzdem gibt es Zeiten, in denen Eltern sich überlegen sollten, das Smartphone auch mal wegzulassen. So ein Moment sind die schönen Stunden, die Sie mit ihren kleinen Kindern verbringen. Was gibt es Schöneres als den eigenen Kindern beim Spielen zuzuschauen, erste Worte wahrzunehmen oder erste Schritte mitzubekommen? 

Bemerkt die Mutter aber auf dem Spielplatz erst nach dem fünften Rufen der Tochter, dass sie beim Lesen einer Mail vergessen hat, die Schaukel anzuschubsen, und streichelt der Vater häufiger über sein Smartphone als dem Sohn über den Kopf, dann fühlen sich Kinder vernachlässigt.

Dies zeigen  verschiedene Umfragen und Studien.

„Die Aufmerksamkeit der Eltern für ihre Kinder ist enorm wichtig“, sagte Sozialministerin Birgit Hesse am Dienstag. „Kinder brauchen den Kontakt, sie brauchen Lob, Anregung, Motivation und Ermunterung von ihren Eltern. Das ist durch Nichts zu ersetzen.“

Laut einer Studie in Norwegen, gaben elf Prozent der befragten Mädchen und Jungen an, dass sie sich wegen des Internets von ihren Eltern vernachlässigt fühlen. Die Kinder bemängeln nicht etwa die körperliche Abwesenheit, sondern die mentale: Über Smartphones und andere Internetzugänge würden die Eltern einfach verschwinden.

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Yougov bestätigt diesen Trend für Schweden. Dort ist es sogar jedes dritte Kind, das darunter leidet, dass sich seine Eltern oft lieber mit ihrem Handy als dem eigenen Nachwuchs beschäftigen. Zwölf Prozent der Eltern gaben zu, ihre Kinder auf Spielplätzen oder Schwimmbädern nicht genügend beaufsichtigt zu haben, weil sie mit ihren Smartphones beschäftigt waren.

AVG (Anti-Virus Grisoft) befragte 6.000 Personen um das Verhältnis zwischen Eltern, Kindern und Smartphones zu untersuchen. Dabei fanden 54 Prozent der Kinder, dass ihre Eltern zu viel mit dem Smartphone beschäftigt sind, 32 Prozent fühlen sich unwichtig, wenn ihre Eltern vom Smartphone abgelenkt sind. Gleichzeitig gaben 52 Prozent der Eltern an, dass sie das Smartphone zu oft zu nutzen.

Es gibt noch keine Zahlen, die den Umgang von deutschen Eltern mit der Smartphone-Nutzung und einer möglichen reduzierten Aufmerksamkeit auf die Kinder belegen, aber ein Blick auf die heimischen Spielplätze, Freizeitanlagen oder ähnliches zeigen häufig ein ähnliches Szenario. Für die gesunde Entwicklung eines Kindes ist die Auseinandersetzung mit den Eltern, ihrer Aufmerksamkeit und ihrem Lob unersetzlich, damit eine Bindung entsteht.

Die Bindungsforschung belegt, dass Kinder in den ersten beiden Lebensjahren - besonders in den ersten zwölf Monaten - eine erwachsene Bezugsperson brauchen, die sehr dicht mit ihnen kommuniziert und interagiert.  Das gibt den Kindern  Sicherheit und ist wichtig für ihre Entwicklung.  Gerade am Anfang läuft Kommunikation über Blickkontakt und geteilte Aufmerksamkeit.

Wenn Eltern aber ständig mit ihrem Smartphone beschäftigt sind, vergeben sie wichtige Gelegenheiten, das aufzugreifen, was ihr Kind gerade beobachtet und seine Handlungen im Alltag sprachlich zu begleiten.

Wir wollen zum Nachdenken anregen und Eltern sensibilisieren, ob das Telefonat oder die Nachrichten, die gerade eingehen, wirklich so wichtig sind oder ob es nicht gerade schöner ist den Moment mit dem Kind zu genießen, statt zu überlegen wie und wo ich den Moment am besten poste.

Auf der Webseite www.medienwissen-mv.de findet man alle Informationen zur Kampagne. Gleichzeitig gibt es eine Übersicht für Fortbildungsangebote für Erzieher und Erzieherinnen und für Elternabende in KiTAs, die ständig aktualisiert wird.

Auf der Webseite besteht auch die Möglichkeit ein Formular auszufüllen, um uns Anregungen und Kritiken für die Weiterentwicklung der Kampagne zu senden.

 

Hintergrundinformationen:

Wer steckt hinter der Kampagne?

  • Landesfachstelle Familienhebammen in MV
  • Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen MV
  • Landesdatenschutzbeauftragter MV
  • Ministerium für Arbeit, leichstellung und Soziales (Referat Sozialer und medizinischer Arbeitsschutz, Prävention, Sucht)
  • Landeskoordinierungsstelle Bundesinitiative Netzwerke Frühe Hilfen und Familienhebammen, Ministerium für Arbeit, Gleichstellung und Soziales Mecklenburg-Vorpommern, Abteilung Jugend und Familie
  • Kompetenzzentrum und Beratungsstelle für exzessiven Mediengebrauch und Medienabhängigkeit
  • Suchthilfezentrum Ludwigslust
  • Frühe Hilfen, Hansestadt Rostock
  •  Ministerium für Gleichstellung und Soziales, Abteilung 2 Jugend und Familie

Die Kampagne wird durch die LAKOST MV koordiniert und ist für alle Partner offen, die sich zu dieser Thematik einbringen möchten.

Die Kampagne besteht aus verschiedenen Modulen.
Sie startet jetzt mit einer Plakat- und CityCard Aktion „Heute schon mit Ihrem Kind gesprochen?

Für den März 2017 sind weitere Aktionen geplant.

Kontakt

Landeskoordinierungsstelle für
Suchtthemen MV
Lübecker Str. 24 a
19053 Schwerin

Tel.: +49(0)385 785 15 60
Fax: +49(0)385 758 94 90
Mail: info@lakost-mv.de

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